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NEO-KATHARSIS

Von Ende Juni bis Ende November letzten Jahres hatte ich die Möglichkeit einen ca. 150qm Meter großen Raum im Ihmezentrum zu bespielen. Die Stadt Hannover förderte mein Projekt mit 750 Euro. Die Zutaten für ein großes Spektakel waren also da. Über den Verein für Zwischenraumnutzung kam ich, nach einigem hin und her, in den vorübergehenden Besitz einer ehemaligen Ladenzeile auf Erdgeschosslevel im Ihmezentrum. Der Raum war roh,kalt,dreckig,uneben,unfertig,verfallen und riesig groß. Nur Beton. Nur Platz. Es war ein Traum. Nach fast zehnjährigem Leerstand und der letzten Nutzung durch eine inzwischen auch sechs Jahre zurückliegende Besetzung, war der Raum in einem wilden Zustand. Die ersten Wochen verbrachte ich damit Unrat und Müll von a nach b zu tragen bis ich mir meinen Ausstellungsraum soweit hergerichtet hatte, dass ich darin arbeiten konnte. Um die Architektur der Örtlichkeiten noch spannender zu machen und denn Müll zu verdecken zog ich kurzer Hand eine Wand aus alten Türen, die ich neben vielen anderen interessanten und später auch verwendeten Objekten, dort fand ein, um den Raum zu teilen. Jetzt hatte ich einen dynamischen Raum voller Kanten, Ecken und Unebenheiten. Im nächsten Schritt riss ich die Tapete von den Wänden und strich den großen Bereich ganz links, in einem tiefen satten Schwarz. Danach fing ich an künstlerisch Einfluss auf den Raum zu nehmen. Dabei habe ich mir vorher relativ wenig Gedanken dazu gemacht, weil ich davon überzeugt war, erst Zeit in dem Raum verbringen zu müssen, in auf mich einwirken zu lassen und ihn dann in meiner Kunst mit zu verarbeiten. Nach meinem üblichen Schema fing ich also an, große,geometrische Formen mit Klebeband abzukleben und sie, vereinfacht gesagt, mit Sprühdose auszufüllen. Danach zieht man das Klebeband wieder ab und hat perfekte Ecken und Kanten. Nach meinem ganz persönlichen Rhythmus und Farbempfinden setzte ich die Formen auf die Wand. Sie steigerten und  überragten sich, konkurrierten und harmonierten miteinander. Nach vielen Woche dieses immer gleichen Prozess der Formenbildung und dabei immer wiederkehrenden Hochgefühlen, die richte Formsprache gefunden zu haben, nährte sich dieser Bereich dem Ende. Mir wurde im Laufe des Prozesses klar, dass es Verschwendung wäre nur die Wände zu nutzen und nicht den Raum selber, als existierenden Raum. So konstruierte ich also verschieden Holzkonstruktionen, die teilweise als Verlängerung der aufgesprühten Formen dienten. Also beispielsweise ein zackiger lila Blitz bricht aus der Wand raus und wird tatsächlich dreidimensional und betritt den Raum. Er schlängelt, hängt,hüpft und kriecht mit einigen anderen geometrischen Holzkonstrukten durch alle Bereiche der Örtlichkeit. Nach einigen hin und her treffen sie auf die Fliesen. Dort verflüssigt sich die Holzkonstruktion wieder und wieder zur Farbe. Ich nutzte die Gegebenheiten und Unterteilungen durch die Fugen bei den Fließen aus, und passte mein Strich der sich darüber schlängelt dementsprechend an. Es wurde also ein zusammenhängender Strich, der aber durch viele Farben und Bereiche hundertfach aufgeteilt und zersplittert wurde. Zum Schluss traf der Rest des Striches auf die erwähnte Türwand wo er als Negativform endete. Ich sprühte nämlich ein buntes Farbchaos auf die Türen,klebte dann geometrische Formen ab, übersprühte alles wieder mit einem dunklen Grau und zog am Ende das Klebeband wider ab. Zurück blieben Formen die quasi als Negativ wirken, weil sie andersherum gemacht worden sind.

Dies war ein Prozess der sich über 4 Monate hinzog. Daneben bereitete ich die Vernissage vor, also Poster designen,drucken lassen, aufhängen, einkaufen gehen, Freunde und Bekannte einladen und und und. Am großen Tag der Vernissage kamen viele Leute und es war ein wunderbarer Abend mit vielen glücklichen Menschen. Danach war die Ausstellung noch zwei Wochen offen. Es kamen während der ganzen Zeit, auch während des Aufbaus, viele Leute vorbei, mit denen ich mich immer gerne austauschte. Es war also viel mehr als ein bloßer Ausstellungsraum, sonder vielmehr ein Prozess und Projektraum. Nach zwei Wochen baute ich alles wieder ab, und ließ den Raum in alter Passivität erstrahlen. Das ganze Projekt war phänomenal und durch das viele positive Feedback,  hat mich das nochmal zusätzlich motiviert, meine künstlerische Postionen weiter zu vertiefen und viele weiter Visionen umzusetzen. Noch ist nichts entschieden,aber wenn alles gut läuft, kann ich vielleicht hier an gleicher Stelle zu weiteren unvergesslichen Projekten im Ihmezentrum einladen. Auf Bald.

Jussi

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