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Interview mit Johanna Bank

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Nina Diel: Wie hast du von der Agentur für kreative ZwischenRaumNutzung erfahren?
Johanna Bank: Tatsächlich über einen Freund, der kulturell selbst viel aktiv ist und in einer Band spielt. Er hatte mal nach Proberäumen gesucht und deswegen geguckt, wie man in Hannover an leerstehende Räume kommen kann. Nachdem er auf die Agentur für kreative ZwischenRaumNutzung gestoßen ist, hat er den Tipp an mich weitergegeben. Es hat mich direkt an die „Zwischenzeitzentrale“ erinnert, die es in Bremen gibt und die dort sehr beliebt ist.

N.D: Kommst du aus Bremen?
J.B: Ne, gebürtig komme ich aus Hannover, habe in Bremen studiert und bin nach dem Studium wieder hierhergezogen.

N.D: Was hast du da studiert?
J.B: Freie Kunst.

N.D: Was hat dich zurück nach Hannover geführt?
J.B: Ich glaube letztlich Geldnot. Ich bin erst einmal zu meiner Mutter gezogen, war dann drei Monate auf den Philippinen und mein Freund lebt auch hier, was wahrscheinlich direkt zusammenhängt mit Fragen, die du mir noch stellen wirst und die mit diesem Raum zu tun haben. Da kann ich dann vielleicht auch direkt mehr zu erzählen. Ich wohne sozusagen provisorisch bei meinem Freund, habe aber eigentlich gar keine eigene Wohnung. Deshalb ist dieser Raum für mich gleich doppelt toll, weil ich hier arbeiten und gleichzeitig einen freien Kopf habe. Einer, wo ich auch einfach für mich rein menschlich sage, dass ich beziehungstechnisch von allem abschalten kann. Das ist sehr wichtig.

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N.D: Möchtest du etwas zu deiner Arbeit erzählen? Oder wo du angefangen hast und wie sich das hier mit dem Raum weiterentwickelt hat?

DSC 0168J.B: Also angefangen, wie man vielleicht auch hier in diesem Raum ganz gut sehen kann, habe ich mit dem ganzen Knochenzeug. Das war noch in Bremen in meinem Studium, als ich ausprobiert habe, wo es hingehen kann. Ich habe das Thema ein bisschen mitgenommen, mich jedoch vom Material gelöst und seitdem ganz viele Performances gemacht. Thematisch hänge ich ganz oft an den Schwerpunkten Tod, Wahrnehmung, Liebe, Sexualität. Praktisch allen großen Themen der Menschheit (lacht). Ich glaube, wenn man sich meine Arbeit anguckt, dann sieht man vielleicht auch einen roten Faden darin. Ursprünglich war die Idee einen Raum zu haben, wo ich üben kann. Ich habe hier tatsächlich auch schon einige Performances gedreht, wo der Raum als Kulisse diente. Es ist auf jeden Fall sehr nützlich einen Raum zu haben, in dem ich auch das Gefühl habe die Tür zu machen zu können und unbeobachtet zu sein. Deshalb war es mir auch wichtig kein Gemeinschaftsatelier zu beziehen. Einen Raum zu haben, wo man ganz für sich sein kann. Das brauche ich total, um produktiv zu sein und Dinge testen zu können.

N.D: Erzähl uns doch gern noch etwas detaillierter von der Arbeit, die dich gerade beschäftigt.
J.B: Wir, das sind Johanna Bank und Michael von Schönberg, haben uns getroffen unter der Prämisse, dass wir zusammen eine Arbeit machen wollen. Michael ist auch Performancekünstler und wir kannten uns vorher überhaupt nicht. Wir wurden sozusagen aneinander vermittelt von einer gemeinsamen Freundin die wusste, dass wir beide Performances machen.
Michael von Schönberg: Da wir uns unter künstlichen Umständen kennengelernt haben, hat unsere Beziehung irgendwie etwas Absurdes angenommen, weil wir uns direkt von Anfang an richtig kennenlernen mussten. Wenn man künstlerisch kooperieren will, muss man überhaupt erst etwas finden, was man zusammen machen kann. Das fordert so richtig viel voneinander und ein Stück weit emotionale Intimität. Das heißt, dass wir praktisch von Beginn an angefangen haben, uns unsere Leben zu erzählen.

DSC 0191Wir haben überlegt und uns gefragt, was spannend sein könnte, was unsere Stärken sind und was wir zusammen machen könnten und alleine nicht machbar wäre. Das Ergebnis war, unsere Beziehung und was sich zwischen uns entwickelt zum Inhalt unserer Arbeit zu machen. Es gibt da auch so ein schönes Fachwort dafür: „Relational Aesthetics“, ein von Kurator Nicholas Bourriaud in den 1990er Jahren geschaffener Begriff, um die Tendenz zu beschreiben, Kunst zu machen, die auf menschlichen Beziehungen und ihrem sozialen Kontext basiert oder von ihnen inspiriert wurde.
J.B: Während andere Leute etwas aus Holz fertigen oder eine Skulptur formen, formen wir praktisch eine „soziale Plastik“. Joseph Beuys würde uns lieben (lacht). Das muss man eigentlich mit dem richtigen Pathos sagen. Es ist auf jeden Fall ein bisschen ironisch aber auf jeden Fall auch ein bisschen ernst. 
Was die Kooperationen angeht, kann ich tatsächlich noch etwas zu diesem Raum hier sagen. Es ist super beflügelnd hier! Ich habe eigentlich alle Leute auf der Etage kennengelernt und mit jedem zwischenmenschlich sozusagen schon ganz gut angeknüpft. Davon abgesehen hat es auch arbeitsmäßig schon funktioniert, dass Dinge zusammengefallen sind. Wenn man sich einfach berät, reicht es ja manchmal auch schon. Das muss jetzt nicht direkt heißen, dass man großartig zusammen Dinge auffährt und dann gemeinsam gestaltet, sondern einfach mal so „ich habe eine Idee und ich möchte darüber reden“. Hier ist es so, dass ich kurz zu Jonas rübergehen und fragen kann, ob ich ihm etwas von meiner Arbeit erzählen darf und was er davon hält. Andersherum guck ich mir auch gerne an, was die anderen so machen und finde das großartig und sehr befruchtend.vlcsnap 2017 12 19 14h17m34s344Um nochmal auf den eigentlichen Punkt der Kooperationen einzugehen, ist auch da etwas Gemeinsames entstanden. Beispielsweise. hatte ich ganz am Anfang eine Performance, wo ich jemanden gebeten habe mich zu filmen und das einfach super geklappt. Dann gab es weitere Ideen. Diese Stühle, die hier stehen sind bald Teil einer Performance im „Keller III“, wo Michael und eine weitere Kollegin Gesine Köster Ries dabei sind. Das haben wir uns dann ein Stück weit gemeinsam ausgedacht.

N.D: Wer hat denn die Stühle gebaut?

DSC 0165J.B: Die Stühle habe ich gebaut. Sie gehören zu einer Performance, die man am 12. Mai im „Keller III“ sehen kann.

N.D: Was würdest du tun, wenn es die Agentur nächstes Jahr nicht mehr gäbe?
J.B: Puh, was würde ich dann machen? Ich würde mir tatsächlich eine Wohnung suchen, was kein zu verachtendes Problem ist würde ich sagen, denn als Künstlerin verdient man einfach kaum etwas. Ich habe zwar einen Nebenjob und komme gut durch damit, weil ich in der Wohnung meines Freundes leben kann und weil ich eben zusätzlich diesen Raum habe, in dem ich sein und arbeiten kann. Wenn ich diesen Raum nicht hätte, wäre ich glaube ich nur halb so produktiv, denn zuhause in diesem kleinen Raum in der WG, wo ich mir das Zimmer auch noch mit meinem Freund teile und wo sein ganzer Kram drinsteht, könnte ich gar nichts machen.

N.D: Was würdest du dir für die Zukunft wünschen, in Bezug auf die Agentur oder auch für Hannover? 
J.B: Das Ihmezentrum hat so viel Potential und ich finde es so schade, dass es schon so lange ungenutzt geblieben ist. Wenn man es jetzt schaffen könnte, vielleicht auch mit der Zukunftswerkstatt etwas aufzubauen, damit es sich noch weiterentwickelt, wäre das richtig toll. Und Kunst studieren in Hannover wäre auch schön. Das habe ich auch gemerkt, als ich hier ankam. Es fällt leicht Kontakte zu knüpfen, wenn man eine Institution hat, etwas studiert und direkt an eine Plattform gebunden ist. Sich hier in die Kunstszene einzufinden und zu etablieren, das war schon auch ein bisschen Arbeit, was mit der Agentur zusammen nochmal richtig gut geklappt hat. Durch diese ganzen Räume hier, konnte ich viele Menschen kennenlernen, die dann wiederum andere Menschen kannten.

N.D: Wäre eine Online Plattform für Künstler_innen aus Hannover, auf der man sich vernetzen könnte interessant für dich?
J.B: Ja! Ich habe es auf Facebook versucht aber nicht wirklich das gefunden, was ich wollte. Es ist so offen und geht dann total unter. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Wenn man dann schreibt, dass man Kontakte sucht, dann ergibt sich selten etwas. Wenn man wenigstens kategorisieren könnte, in welchen Bereichen man Kooperationspartner_innen sucht, wäre das ein großer Vorteil.

N.D: Danke liebe Johanna, danke lieber Michael.

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